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Nur noch 58 Exemplare: Diese seltenen NRW-Pferderasse droht das Ende

Ein lebendiges Stück Geschichte stirbt leise. Was im Jahr 1160 begann, könnte bald für immer verschwinden. Die Zeit läuft ab.


Senner Pferde, um 1860
Senner Pferde, um 1860 (Von Carl Rötteken / Gustav Quentell - Ursprung unbekannt, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6359490)

Es ist das Jahr 1160, als Bischof Bernhard zu Paderborn eine folgenschwere Entscheidung trifft. Er schenkt dem Kloster Hardehausen mehrere ungezähmte Stuten – wilde, stolze Tiere, die durch die ostwestfälischen Wälder streifen.


Niemand ahnte damals, dass diese Pferde zur ältesten Rasse Deutschlands werden sollten: die Senner.


Ein Geschenk, das Jahrhunderte überdauerte


Jahrhundertelang galoppierten sie halbwild durch die Senne und den lippischen Wald. Stuten und Fohlen zogen frei umher, während das lippische Fürstenhaus gelegentlich Hengste einfing – edle Reit- und Jagdpferde, die Geschichte schrieben. Doch was über 800 Jahre überlebte, steht heute am Abgrund.


Der Anfang vom Ende


Das Kriegsende 1945 brachte die Wende – zum Schlechten. Die Senner wurden zum Heidehof Schapeler bei Augustdorf gebracht. Die kargen Heideflächen boten kaum Nahrung. Die stolzen Pferde hungerten. Drei Stuten und ein Fohlen verhungerten qualvoll. Verzweifelt brachte man einige Tiere nach Holland, um sie zu retten.


Erst die Familie Lackner erkannte in den 1970er Jahren die drohende Katastrophe. Sie übernahm die Zucht und kämpft bis heute um jedes einzelne Tier dieser einzigartigen Rasse.


Wettlauf gegen das Aussterben


Die Zahlen sind erschreckend: 2009 existierten nur noch 41 Senner Pferde. Ein Zuchtverband kämpfte verzweifelt. Im Jahr 2000 wagte man einen mutigen Schritt – die Ansiedlung im Naturschutzgebiet Moosheide durch die Biologische Station Kreis Paderborn-Senne. Langsam stieg die Population wieder: 2025 sind es 65 Tiere.


Doch die Rote Liste bleibt gnadenlos: „extrem gefährdet". Diese eleganten Warmblüter, Kreuzungen aus englischem Vollblut und Vollblutaraber mit ihrem charakteristischen langen Widerrist, schweben weiter in Lebensgefahr.


865 Jahre Geschichte – und jetzt hängt alles an 58 überlebenden Exemplaren. Jedes neugeborene Fohlen ist ein Hoffnungsschimmer. Jeder Verlust eine kleine Tragödie.



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