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2 Tage vor Silvester: Warum Stute Daisy (33) sterben musste

Ein Knall, ein Sturz, dann eine schmerzliche Entscheidung. Was am 30. Dezember geschah, hätte nie passieren dürfen. Für den Gnadenhof ist es bereits der zweite Verlust.


Totes Pferd unter einer Pferdedecke
Stute Betty nach dem Einschläfern (Last Resort Ranch/Facebook)

Es war kurz nach Mittag, als Simone A. das Geräusch hörte. Ein Böller. Zu nah. Viel zu nah an den Stallungen ihrer Last Resort Ranch in Köddingen. Dann sah sie, wie Daisy reagierte...


Die 33-jährige Warmblutstute erschrak so heftig, dass sie sich hektisch umdrehte, stolperte – und fiel. Mehrere hundert Kilo Lebendgewicht prallten auf den gefrorenen Boden. Daisy kam nicht mehr hoch. Niemals mehr.


Der Moment, der alles beendete


"Wir haben ein Kreislaufmittel gespritzt, ein starkes Schmerzmittel und Buscopan", schildert die 46-jährige Diplom-Biologin die verzweifelten Rettungsversuche.


Zu dritt kämpften sie um das Leben der Stute: A., ihre Tierärztin, ihr Lebensgefährte. Vergeblich. "Wenn ein Großpferd nicht mehr auf die Beine kommt, muss man es einfach erlösen."


Ein illegaler Böller, ein sinnloser Tod


Die bittere Wahrheit: Der Böller hätte nie gezündet werden dürfen. Nicht am 30. Dezember. Nicht so nah an Stallungen. Laut Regierungspräsidium Gießen sind Böller, Raketen und Batteriefeuerwerk ausschließlich an Silvester und Neujahr erlaubt. Vom vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zu Ställen ganz zu schweigen.


Für Simone A., die seit 15 Jahren im Tierschutz arbeitet und vor zehn Jahren den Gnadenhof gründete, ist es ein Albtraum, der sich wiederholt. Bereits vor zwei Jahren verlor sie ein Pferd durch Silvesterböllerei: Die Kaltblutstute Qualy erlitt eine stressbedingte Kolik und starb trotz tierärztlicher Behandlung. "Ihr Tod war so sinnlos", sagte A. damals.


Jetzt Daisy. Von einst 21 Pferden, viele nach schweren Misshandlungen aufgenommen, sind nun es nur noch 20. Ihr emotionaler Facebook-Post erreichte über viereinhalb Millionen Menschen: "Das ist das zweite tote Pferd durch Silvestergeböller in Köddingen. Und es ist noch nicht mal Silvester."


Braune, ältere Stute
Stute Daisy (Last Resort Ranch / Facebook)

Die Überlebenden zittern weiter


In der Silvesternacht blieben A. und ihre Helfer wach. Licht an, Musik an, ständige Beruhigung der verängstigten Tiere. Pferde sind Fluchttiere – der Stress ist existenziell. Viele schwitzten stark, zeigten Lippenlecken, Zittern, Kauen. Aber sie überlebten.


A. überlegt, Anzeige zu erstatten. Doch eigentlich will sie etwas anderes: "Es geht um Rücksicht." Ein Wort, das am 30. Dezember niemand beachtete.

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